Musik / Back to Black von Amy Winehouse

Back to Black

von Amy Winehouse

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8.12 Punkte (Stimmen: 4)

Aufrufe: 1249, Kommentare: 0, Fans: 3


Beschreibung

"Die britische Krawallnudel Nummer eins ist endlich auch in Deutschland gelandet. Was die Dame abseits ihrer Sangeskarriere alles vom Leder zieht, entbehrt ja nicht einer gewissen Komik: Pöbeleien, Besuffski-Auftritte samt Abgang nach fünf Minuten, ebensolche TV-Darbietungen vor einem britischen Millionenpublikum - Amy scheint das alles nicht ganz so bier(!)ernst zunehmen. Alles auch ok, solange sie uns nicht frisch vom Schönheits-Chirurgen kommend mit Minipli von Hochglanz-Fotos angrinst.
Derzeit sind wir davon aber - Gott sei es gedankt - meilenweit entfernt. Das macht Amys zweiter Streich deutlich, der mit ihrem Debüt kaum mehr etwas gemein hat. Die jazzigen Anteile von "Frank" sind lediglich noch in Ansätzen hörbar. Stattdessen bemerkt man den proportional gestiegenen Anteil an Elementen, die im Sechziger-Pop zu verorten sind. Die Single "Rehab", die über ihr, nennen wir es mal, angespanntes Verhältnis zu Moralaposteln und Besserwissern referiert, legt hiervon beredtes Zeugnis ab: "The man said why are you here, I said I got no idea." So einfach können die Dinge stehen.

Scheinbar ebenso leicht und locker wirft die dürre Britin zehn Songs ins Rennen, die allesamt ohne Ausfall durch die Trackliste marschieren. "Rehab" ist zwar einer der besten und der eingängigste Track, aber die Winehouse hat trotzdem eine Stilvielfalt zu bieten, die vom Gesang und Songwriting her kaum Wünsche offen lässt. Als da wäre der mittels Hip Hop-Anleihen schmuftelnde Beat von "You Know I'm No Good", an dem sogar ein Ghostface Killah Gefallen gefunden hat und ihn auf seinem Album "More Fish" verbrät.

"Just Friends" beginnt vollkommen cheesy und lässt zuerst Befürchtungen aufkommen, Amy würde sich an Standard-Schnulz versuchen, den heutzutage kein Mensch mehr braucht. Aber dann! Wie aus dem Nichts ändert das Schlagzeug die Richtung und transformiert die vormals sanft klingenden Hi-Hats mit energischem Rumms in Richtung Off-Beat. Ab da schiebt der Rhythmus so gnadenlos obszön über eine tief grummelnde Basslinie dahin, dass die Bass-Tröten im Background die Libido-Hormone im Lendenbereich optimal zur Geltung bringen. Und immer wieder Amys Stimme: Ohne gekünstelte Phrasierungen hört man trotzdem, dass da keine Anfängerin am Werke ist. Sie hat es nicht nötig, einen Song mittels vokaler Selbstdarstellung seiner Anziehungskraft zu berauben.

Dramatische Gesten bewältigt sie ebenfalls mit einer Selbstverständlichkeit, die erstaunt. Im Titeltrack fügen sich Text und Sound zu einem düsteren Bild voll Seelenpein. Die hier noch vergossenen Tränen trocknen kurz darauf im sinnig "Tears Dry On Their Own" betitelten Swing-Potpourri. Die auf kompletter Albumlänge tönende Lässigkeit, mit der Amy eine überzeugende Komposition nach der anderen aus dem Ärmel schüttelt, macht nicht nur Spaß, sie rockt auch im positivsten Sinne.

Der Tanz auf dem Vulkan, auf des Messers Schneide, im Grenzbereich zwischen Manie und Spaß bis zum Anschlag scheint dem künstlerischen Output bislang nur gut getan zu haben, drehen sich ihre Texte doch um Erfahrungen, die genau von diesen hedonistischen Tendenzen herrühren. Dem Hörer kanns eigentlich egal sein, nur ein paar Pfund darf Amy dann doch wieder zunehmen. Eine Bitte noch für die Gesundheit: lass die Finger von Pete."


Allgemeine Informationen

Musikrichtung:
Erschienen am:
21.11.2006
Tags:

Songs

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